Anorexia Nervosa – Quäl Dich ?

quaeldich

Neulich sah ich in der Bahnhofsbuchhandlung an exponierter Stelle folgenden Buchtitel:

„Quäl Dich – Das Work Out“ mit Untertitel: „Schmerzen lassen sich leichter ertragen, als schlechtes Gewissen.“ Dieser Buchtitel ist geradezu die buchstäbliche Wiedergabe der Magersüchtige quälenden und völlig beherrschenden Gedanken.

Es lacht einem also im Wortsinn die Fratze dieser Seuche, die heutzutage in fast epidemischem Ausmass meisst sensible, heranwachsende Mädchen befällt, in verführerischem Antlitz direkt ins Gesicht.

Mein erster Versuch, bei der Verkäuferin des Ladens etwas wie Problembewusstsein zu erzeugen, lief in etwa so ab:

Ein etwa 11 jähriger Junge versuchte bei eben dieser Verkäuferin eine Guthabenkarte für Google Playstore käuflich zu erwerben.
Nachdem er von Ihr in brüskem Ton abgewiesen worden war („Zum letzten Mal: Du bist noch zu jung,
Du bekommst das von mir nicht“), führte ich die junge Frau zum Bücherständer mit oben beschriebenem Machwerk.  „Sie sollten besser solche Dinge nicht verkaufen. Solche Bücher tragen dazu bei,
daß sich junge Menschen zu Tode hungern.“
Ihre Antwort war so simpel wie gedankenlos … und auch so symptomatisch für unsere Haltung gegenüber offensichtlichen Mißständen,
vor denen wir kapitulieren, indem wir sie der Verantwortung von Minderjährigen überlassen:
„Das ist halt Pressefreiheit, da kann ich nichts machen.“

Doch das kann Sie. Das können wir alle.
Wir können unsren Blick schärfen für solche Botschaften. Und für das, was sie wohl nicht alleine verursachen,
aber mit absoluter Sicherheit mit Heraufbeschwören:
Kindern in einer für sie subjektiv hoffnungslosen Situation wie der Magersucht einmal mehr das Gefühl zu geben, daß die gnadenlose, selbstzerstörerische Drill-Sergeant-Stimme in Ihrem Inneren Recht hat.
Die Stimme die Ihnen einbläut, sie hätten die Schmerzen gefälligst auszuhalten und dürften dabei niemals aufgeben („Aufgeben ist keine Option“).

Auch ich wäre an diesem Buch vorher achtlos vorbeigegangen.
Seit mir ein betroffenes Mädchen etwas Einblick in ihr inneres Guantanamo gegeben hat, spüre ich den Wahnsinn hinter solchen Titelzeiten nahezu körperlich.

Wann stellen wir uns wieder vor unsere Kinder, vor Menschen, die sich noch selber finden müssen und von einer solchen (Presse)-„Freiheit“ immer wieder aus Neue niedergemacht werden.
Es gibt auch noch elementarere Rechte als die Freiheit des Meinungs- und Pressemarktes.
Der Schutz derer, die davon in Ihrem Recht auf Leben beeinträchtigt werden –
und sich manchmal kein Stück dagegen wehren können !

Betroffene aber kämpferische Grüsse, Euer HeartOnSleeve. 😦

 

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